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D&O: Den Aufsichts­rat getrennt versi­chern

Unter­neh­mens­füh­rung und -kontrolle sind in der deutschen AG strikt vonein­an­der getrennt. Separate Lösun­gen für Vorstand und Aufsichts­rat sind auch beim D&O-Schutz ratsam.

„Es ist leich­ter eine einge­seifte Sau am Schwanz festzu­hal­ten, als einen Aufsichts­rat zur Verant­wor­tung zu ziehen“, sagte einst der legen­däre Bankier und Profi-Aufsichts­rat Hermann-Josef Abs (1901 bis 1994). Doch die Ära des ungestraf­ten Wegse­hens ist für Unter­neh­mens­kon­trol­leure lange vorbei.

Bei der klassi­schen D&O-Police sitzen Vorstand und Aufsichts­rat in einem Boot

Aufsichts­räte tragen heute ein hohes Haftungs­ri­siko. Im Fachma­ga­zin „Compli­ance-Berater“ empfeh­len die beiden Corpo­rate Gover­ance-Exper­ten Dr. Burkhard Fassbach und Dr. Frank Hülsberg Unter­neh­men deshalb, zusätz­lich zur klassi­schen D&O-Versicherung, die der Absiche­rung von Aufsichts­rat und Vorstand gleich­zei­tig dient, eine separate D&O-Zusatzpolice für den Aufsichts­rat abzuschlie­ßen.

In acht von zehn Fällen strei­ten Vorstand und Aufsichts­rat mitein­an­der

Der Grund: In acht von zehn Manager­haf­tungs­fäl­len liegen Vorstand und Aufsichts­rat mitein­an­der im Clinch. In der Regel fordert zunächst der Aufsichts­rat Schadens­er­satz von dem eigenen Vorstand. Der aber dreht den Spieß immer häufi­ger um und schreibt dem Aufsichts­rat eine Mitschuld an einem Schaden zu.

D&O-Versicherer gerät in Inter­es­sen­kon­flikt

Wenn es in Organ­haf­tungs­pro­zes­sen zu einer solchen Streit­ver­kün­dung durch den Vorstand kommt, geraten D&O-Versicherer, die beide Organe über eine klassi­sche D&O-Globalpolice versi­chert haben, regel­mä­ßig in einen Inter­es­sen­kon­flikt: Sie sind dann dazu gezwun­gen, gleich­zei­tig für verschie­dene „versi­cherte Perso­nen“ die Abwehr von Schadens­er­satz­an­sprü­chen zu organi­sie­ren und zu finan­zie­ren, die auch noch gegen­läu­fige Inter­es­sen verfol­gen. Unter­neh­men können diese Kolli­sion der Inter­es­sen umgehen, indem sie von vornher­ein separate Gruppen­po­li­cen für Vorstand und Aufsichts­rat mit verschie­de­nen Versi­che­rern abschlie­ßen.

Die Zusatz­po­lice für den Aufsichts­rat

In der Praxis verfü­gen Unter­neh­men jedoch bereits über eine Unternehmens-D&O-Police, über die Vorstand und Aufsichts­rat zugleich versi­chert sind. Viele wollen diese Global­po­lice auch weiter­füh­ren. Für diese Fälle haben die beiden D&O-Experten Michael Hendricks und Dr. Burkhard Fassbach im Jahr 2013 die sogenannte Two Tier Trigger Policy® (HPTTT) entwi­ckelt. Die HPTTT ist eine Zusatz­ver­si­che­rung spezi­ell für Aufsichts­räte. Sie wird bei einem anderen D&O-Versicherer abgeschlos­sen als dem der D&O-Globalpolice. Und sie kommt erst in ganz bestimm­ten, ausge­wähl­ten Situa­tio­nen zum Tragen, die für den Aufsichts­rat gefähr­lich werden können. Nur ein Beispiel: Die Two Tier Trigger Policy® springt immer dann ein, wenn die D&O-Globalpolice bereits ausge­schöpft ist.

Quelle: „Die D&O-Versicherung im Konflikt­po­ten­tial des Two-Tier-Board-Systems“, Compli­ance-Berater, 5–6/2018

Veröf­fent­licht am: 6. Juni 2018

Autoren:

  • Dr. Burkhard Fassbach, Rechts­an­walt und Chefko­or­di­na­tor des Hendricks Anwalts­netz­werks
  • Dr. Frank Hülsberg, Senior Partner bei Warth & Klein Grant Thorn­ton und Mitglied des Arbeits­krei­ses Gover­nance, Risk & Compli­ance beim Insti­tut der Wirtschafts­prü­fer

 

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