Events
Newsletter
Kontakt

Raus aus der Karrie­re­falle

Im Haftungs­fall verlie­ren Manager meist ihren Job. Das Karrie­re­ende muss das aber nicht bedeu­ten. Perso­nal­be­ra­ter Claus Verfürth sagt, warum eine Karrie­re­be­ra­tung gerade in einer solchen Krise wichtig ist.

Herr Verfürth, kaum ein Tag vergeht, an dem die Medien nicht über Manager berich­ten, gegen die der Staats­an­walt ermit­telt oder die ihrem Unter­neh­men Schadens­er­satz zahlen sollen. Ist das Haftungs­ri­siko für Manager gestie­gen?

Claus Verfürth:
Ja, das kann man so sagen. Im Verlauf der letzten fünf Jahre hat in Deutsch­land die Zahl der Manager, die in den Sog von behörd­li­chen Ermitt­lun­gen geraten oder die sich mit Schadens­er­satz­for­de­run­gen ausein­an­der­set­zen müssen, deutlich zugenom­men. In der Konzern­welt genauso wie im Mittel­stand.

Wie häufig kommt es vor, dass betrof­fene Manager bei Ihnen als Karrie­re­be­ra­ter anklop­fen?

Claus Verfürth:
Glück­li­cher­weise sind solche Erwerbs­bio­gra­fien immer noch die Ausnahme. Aber ja, solche Anfra­gen mehren sich.

Welche Chancen haben sie auf dem Arbeits­markt?

Claus Verfürth:
Auch Manager, die in einen Haftungs­fall geraten sind, haben durch­aus ihre Chancen. Die Frage, die sich stellt, ist, wann der richtige Zeitpunkt für die Suche nach einem neuen Job gekom­men ist. Einer­seits ist es schwer, einen Arbeit­ge­ber davon zu überzeu­gen, jeman­den als neuen Geschäfts­füh­rer oder Vorstand einzu­stel­len, wenn noch ein Verfah­ren gegen ihn läuft. Anderer­seits halte ich es für sehr wichtig, dass betrof­fene Manager sich frühzei­tig mit ihrer Neupo­si­tio­nie­rung beschäf­ti­gen. Der Manager sollte hier das Heft des Handelns in der Hand halten. Auf keinen Fall darf er sich verste­cken, auch wenn ihm vielleicht dazu zu Mute wäre. Gerade in einer ungeklär­ten Situa­tion ist die richtige Kommu­ni­ka­tion in den Markt und in Richtung der eigenen Kontakte sehr wertvoll.

Was können Manager tun, deren Haftungs­fall dauer­haft ins Blitz­licht­ge­wit­ter gerät?

Claus Verfürth:
Eine öffent­li­che Bericht­erstat­tung erschwert natür­lich die beruf­li­che Neuori­en­tie­rung. Nicht deshalb, weil den Manager eine größere Schuld trifft, sondern weil sich viele Menschen – oft ohne jegli­che Detail­kennt­nis – ein Urteil erlau­ben. Selbst wenn ein poten­ti­el­ler neuer Arbeit­ge­ber einem Kandi­da­ten, der in einen Haftungs­fall verstrickt war, gerne einstel­len würde, macht es ihm am Ende diese stigma­ti­sie­rende Haltung in der Öffent­lich­keit schwer, sich für den Kandi­da­ten zu entschei­den.

Der Gerichts­saal der Öffent­lich­keit lässt sich schwer beein­flus­sen. Was setzen Sie dagegen?

Claus Verfürth:
Ich finde es wichtig, sich immer wieder zu verge­gen­wär­ti­gen, dass es im Grunde jeden treffen kann. Jedem Manager können Fehlent­schei­dun­gen unter­lau­fen. Wer vorsätz­lich gegen gelten­des Recht verstößt, muss natür­lich dafür auch die Konse­quen­zen tragen. Doch Vorver­ur­tei­lun­gen und eine grund­sätz­li­che Stigma­ti­sie­rung sind fehl am Platz. Auch hier ist es wichtig und richtig, den Einzel­fall zu prüfen.

Welche unter­stüt­zen­den Maßnah­men bieten Sie als Karrie­re­be­ra­ter an?

Claus Verfürth:
Zuerst gilt es die Frage zu klären, wie eine sinnvolle Kommu­ni­ka­tion in Richtung des beruf­li­chen Umfelds, der persön­li­chen Kontakte, aber auch in Richtung der Familie und des sozia­len Umfelds ausse­hen kann. Je präsen­ter in den Medien, desto schnel­ler müssen hier Strate­gien her, um ein Reputa­ti­ons­ma­nage­ment aufzu­bauen. Danach folgt der inten­sive Austausch über die weitere Karrie­re­ent­wick­lung. Im Coaching setzt sich der Manager mit den eigenen Erfah­run­gen und Erfol­gen ausein­an­der. Am nahelie­gends­ten sind Wieder­ein­stiegsze­na­rien, in denen der Manager an das angeknüpft, was er schon in der Vergan­gen­heit erfolg­reich getan hat, nur in einem anderen Unter­neh­men.

Erhal­ten Betrof­fene wirklich die Chance, wieder als angestell­ter Topma­na­ger zu reüssie­ren? Sind nicht die meisten von ihnen gezwun­gen, sich als Unter­neh­mens­be­ra­ter oder Immobi­li­en­mak­ler selbst­stän­dig zu machen?

Claus Verfürth:
Der Wieder­ein­stieg ins Topma­nage­ment kann gelin­gen und hierzu tragen üblicher­weise Kontakte aus der Vergan­gen­heit bei. Sicher gibt es auch die Möglich­keit, sich als Berater selbst­stän­dig zu machen oder auch ganz andere Wege einzu­schla­gen – weit weg von der ehema­li­gen Profes­sion. Geschieht das aus eigener Überzeu­gung und auf eigenen Wunsch, ist dagegen nichts einzu­wen­den. Wenn es aber nur eine „Notlö­sung“ ist, wäre es schade. Eine selbst­stän­dige Tätig­keit kann aber auch eine gute Möglich­keit sein, Gras über die Sache wachsen zu lassen, um sich später wieder in den „tradi­tio­nel­len“ Markt zu begeben.

„Der Manager darf sich auf keinen Fall verste­cken. Auch wenn ihm vielleicht dazu zu Mute wäre.“

Laden Sie sich hier den Beitrag als pdf herun­ter.

Zur Person: Claus Verfürth ist Perso­nal­be­ra­ter und Karrie­re­coach bei „The Board­room“, der exklu­si­ven Karrie­re­be­ra­tung für Topma­na­ger bei von Rundstedt.

Print
Seite drucken