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Wenn die D&O-Versicherung nichts taugt

Manager verlas­sen sich darauf, dass ihr D&O-Schutz im Schaden­fall greift. Leider lösen manche Policen das Verspre­chen nicht ein. Michael Franken, Legal Advisor bei Howden, sagt, wie Manager damit am besten umgehen.

D&O-Versicherungen gibt es wie Sand am Meer. Wie wasser­dicht sie in der Praxis sind, hängt ganz vom Klein­ge­druck­ten ab. Manches, vor dem sich Unter­neh­men und Manager über ihre D&O-Police abgesi­chert glauben, erweist sich im Schaden­fall als gänzlich unver­si­chert.

Lücken­haf­ter D&O-Schutz zerplatzt wie Seifen­blase

So berich­tet die Presse regel­mä­ßig über Gerichts­ur­teile, in denen der erhoffte Versi­che­rungs­schutz wie eine Seifen­blase zerplatzt ist. Ein spekta­ku­lä­rer Fall aus der jünge­ren Vergan­gen­heit ist die Entschei­dung des Oberlan­des­ge­richts Celle (OLG Celle, Beschluss vom 1. April 2016, Az. 8 W 2016).

Verbo­tene Zahlun­gen nach Insol­venz­reife

In Hanno­ver hatte ein Insol­venz­ver­wal­ter einen Geschäfts­füh­rer für Zahlun­gen in Höhe von knapp 25 Millio­nen Euro persön­lich zur Kasse gebeten. Das Unter­neh­men des Firmen­len­kers war in Schief­lage geraten. Noch nach dem eigent­li­chen Eintritt der Insol­venz­reife hatte der Geschäfts­füh­rer diese verbo­te­nen Zahlun­gen gebil­ligt. Jetzt sah er sich mit einer beson­ders insol­venz­rechts­freund­li­chen Ausle­gung des Paragra­phen 64 des GmbH-Geset­zes konfron­tiert.

D&O-Versicherer lehnte Kosten­über­nahme ab

Konkret ging es in dem Celler Beschluss um die Frage, wie die Kosten eines Rechts­streits zu vertei­len waren. Indirekt entschie­den die Richter aber auch darüber, ob verbo­tene Zahlun­gen nach Insol­venz­reife von der D&O-Versicherung abgedeckt sind.

Übler April­scherz

Die Richter stell­ten fest, dass es sich nicht um einen Schaden­er­satz­an­spruch, sondern um einen „Erstat­tungs­an­spruch eigener Art“ gehan­delt hatte, der sicher­stel­len soll, dass die verbo­te­nen Zahlun­gen nach Insol­venz­reife im vollen Umfang vom Geschäfts­füh­rer zuguns­ten der Insol­venz­gläu­bi­ger zu erset­zen sind.

Der Versi­che­rer lehnte darauf­hin die Regulie­rung für den Geschäfts­füh­rer mit der Begrün­dung ab, die D&O-Versicherung decke nur Schaden­er­satz­an­sprü­che, im vorlie­gen­den Fall hätte es sich bei dem vorge­brach­ten Anspruch aber eben nun einmal um etwas völlig anderes gehan­delt. Die ausge­rech­net an einem 01.04 gefällte Gerichts­ent­schei­dung könnte man für einen üblen April­scherz oder eine juris­ti­sche Spitz­fin­dig­keit halten.

Intrans­pa­ren­ter D&O-Markt

Tatsa­che ist: Manager schlie­ßen gerade deshalb eine D&O-Versicherung ab, weil sie möchten, dass sie auch in der Unter­neh­mens­krise wirklich wirkt und sie davor schützt, nicht in den wirtschaft­li­chen Ruin zu stürzen. Doch der D&O-Versicherungsmarkt macht es ihnen nicht gerade leicht. In Deutsch­land gibt es deutlich mehr als 30 Versi­che­rer, die D&O-Schutz anbie­ten. Hinzu kommt eine Reihe von (Spezial-)Versicherungsmaklern, die mit eigenen, zumeist deutlich kunden­freund­li­che­ren D&O-Bedingungswerken aufwar­ten.

Laien können Deckungs­lü­cken kaum erken­nen

Gemein­sam sind allen Versi­che­rungs­be­din­gun­gen eigent­lich nur der Begriff „D&O-Versicherung“. Im Übrigen gibt es erheb­li­che Unter­schiede, die es Außen­ste­hen­den schwer machen, die Quali­tät des Versi­che­rungs­schut­zes einzu­schät­zen oder echte „Deckungs­lü­cken“ auszu­ma­chen.

Unser Tipp: Verlas­sen Sie sich nicht auf Überschrif­ten in Versi­che­rungs­ver­trä­gen. Besser ist es, den eigenen Manager­schutz bereits im Vorfeld durch einen Spezi­al­mak­ler auf Herz und Nieren prüfen zu lassen.

Autor: Michael Franken, Legal Advisor, Howden Düssel­dorf

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